Ressort Ökologie
Hinweis:
Die übergeordneten Kriterien (siehe „Voraussetzungen“) gelten auch hier, dazu speziell in diesem Ressort:
Zur Zeit können nur Gesuche im folgenden Bereich entgegen genommen werden:
Saatgut für den biologischen Landbau in Entwicklungsländern
(Anpassung an Klimawandel)
Hintergrund
Die Sicherung des Zugangs zu den Ressourcen Energie, Wasser und Nahrungsmitteln sind zentrale Fragen von geostrategischer Bedeutung geworden. Der Klimawandel verändert die Wachstumsbedingungen von Kulturpflanzen und die Verfügbarkeit von Wasser. An bestimmten Orten verläuft dieser Wandel schon heute so schnell, dass es schwierig wird, innert nützlicher Frist für die lokale Landwirtschaft geeignetes Saatgut zu finden und angepasste Landbau-Methoden einzuführen.
Die Patentierung von gentechnisch verändertem Saatgut verstärkt die Globalisierung des Saatguthandels in den Händen von wenigen Firmen. Das im Handel immer mehr verbreitete Hybridsaatgut ist nach der Ernte nicht mehr geeignet für die Aussaat und muss deshalb von Bauern jährlich neu gekauft werden. Damit können sie nicht mehr jedes Jahr mit stabilem Saatgut vom letzten Jahr den Nahrungsbedarf für sich und ihre Familien sicher stellen. Oft fehlt ihnen das Geld für das teure gentechnisch veränderte Saatgut und die dazu gehörigen Pestizide und den Dünger. Deshalb ist ihre Ernährungsgrundlage in vielen Regionen gefährdet.
Die Zukunft der Ernährungssicherheit liegt in der biologischen Landwirtschaft, denn nur sie kann die Bodenfruchtbarkeit langfristig sichern. Mit ihr kann auch Abhängigkeit der Nahrungsbeschaffung vom Erdöl stark verringert werden. Mit der immer engeren Sortenvariation des im Handel erhältlichen Saatgutes kann aber keine an Klima- und Bodenvielfalt angepasste Landwirtschaft betrieben werden.
Während die internationalen Saatgut-Konzerne daran arbeiten, den ganzen Saatgut-Markt unter sich aufzuteilen, fehlt auf der anderen Seite eine vernetzte Handlungsstrategie zur Erhaltung der biologischen Diversität der wichtigsten Nutzpflanzen. Es gibt viele Bauern und zahlreiche Entwicklungsprojekte, die nach wie vor geeignetes Saatgut produzieren, aber es gibt keinen allgemein bekannten internationalen Handel für stabiles Saatgut, das für den biologischen Anbau geeignet ist. Der Informationsaustausch zwischen nachhaltig wirtschaftenden Betrieben ist ebenfalls ungenügend.
Zielsetzung
Das Ziel besteht nun darin, möglichst rasch die Information zu beschaffen, wo welches angepasste Saatgut noch vorhanden ist und wie die entsprechenden Anbaumethoden aussehen. Dieses Wissen soll einem Netzwerk aller potentiellen Interessenten zur Verfügung gestellt werden. Landwirtschaftliche Betriebe in verschiedenen Regionen sollen befähigt und motiviert werden, Samen so zu züchten, zu ernten und zu lagern, dass sie auch an einem anderen Ort als Saatgut verwendet werden können, so dass in Zukunft geeignetes Saatgut dort verfügbar ist, wo es benötigt wird.
Das Saatgut, das produziert, getauscht und gehandelt werden soll, soll eine möglichst breite Palette von Pflanzen für die Ernährung, für Erzeugung gewerblicher/industieller Rohstoffe (Heil- Oel- Faser- und Holzpflanzen) sowie für den Schutz der Agro-Ökosysteme wichtige Pflanzen (Hecken zum Wind-/Erosionsschutz, Schattenspender, Bodenbefestiger) umfassen.
Projekte an ökologisch sehr verschiedenen Orten sollen zu einem Netzwerk verknüpft werden, in welchem Information und Saatgut ausgetauscht wird. In allen diesen Projekten soll Saatgut unter Bedingungen der biologischen Landwirtschaft gewonnen werden, damit auch andere biologische Betriebe profitieren können. Damit wird ermöglicht, dass auch dort, wo sich die klimatischen Bedingungen rasch ändern oder sich die Bodenqualität verschlechtert hat, mit den geeigneten Mitteln (Saatgut und Information) eine neue Basis für die Sicherung der Ernährung der Bevölkerung gefunden werden kann.
Von der Stiftung Corymbo förderbare Projekte
Mit den eng begrenzten Mitteln einer einzelnen Stiftung können im oben erwähnten globalen Problemfeld natürlich nur einzelne Teil-Zielsetzungen verfolgt werden. Es werden deshalb auch Personen und Institutionen gesucht, welche sich am Netzwerk für biologisches Saatgut finanziell beteiligen.
Das geforderte Netzwerk von Orten mit geeigneter Saatgut-Produktion besteht aus den Knotenpunkten des Netzwerkes (landwirtschaftliche Betriebe oder Institutionen) und den Verbindungen (Informationsaustausch und Saatgut-Tausch oder Handel).
Die Knoten können lokale Marktplätze der traditionellen bäuerlichen Kulturen sein oder es können Entwicklungsprojekte zur Förderung der biologischen Landwirtschaft sein.
Die Stiftung Corymbo beginnt bereits mit der Auswahl Projekten, welche ein erhebliches Potential besitzen, um für den biologischen Anbau geeignetes Saatgut zu züchten und damit lokale oder regionale Märkte zu versorgen. Diese Projekte sollen den folgenden Kriterien genügen:
• Das Wissen zum biologischen Landbau muss vor Ort vorhanden sein und/oder es muss eine hohe Bereitschaft da sein, solches Wissen von einer ausgewiesenen Quelle zu übernehmen und anzuwenden. Die Projektträger verfügen über Erfahrungswissen zu den Zusammenhängen von Wasser, Klimawandel und der Bedeutung der genetischen Vielfalt in lokalen Agro-Ökosystemen.
• Die Projekte müssen über die lokale Ebene Ausstrahlung und Demonstrationswirkung in einem regionalen Einzugsgebiet haben. Das heisst, sie müssen das Potential haben, einer grösseren ländlichen Bevölkerung als Muster- oder Schulungsbetrieb („Leuchttürme“) zu dienen.
• Es muss eine Institution hinter dem Projekt stehen, welche eine Stabilität über mehrere Jahre garantieren kann und die Verbindung zum Netzwerk und zu Corymbo herstellen und aufrecht erhalten will.
• Die Trägerschaft vor Ort muss in der Lage und gewillt sein, Erfolge und Rückschläge im Anbau von Kulturpflanzensorten sowie die Randbedingungen, die dazu geführt haben (Bodenbeschaffenheit, Anbaumethoden, Klima) nachvollziehbar zu dokumentieren und über die gewonnen Erkenntnisse Auskunft zu geben.
• Es muss eine Perspektive bestehen, wie der Projektbetrieb nachhaltig und ökonomisch selbständig geführt und durch Erschliessung lokaler Einnahmequellen schrittweise von Hilfsgeldern unabhängig wird.
Die Netzwerk-Verbindungen werden lose geflochten. Zunächst soll erhoben werden, welche schweizerischen Entwicklungsprojekte bereits in der oben skizzierten Richtung arbeiten und zu welchen Kollaborationsformen diese Projekte bereit sind und es soll abgeklärt werden, ob/wie diese Projekte mit der Informationsplattform Infonet von Biovision zusammenarbeiten können/wollen.
In der Anfangsphase besteht es darin, dass Corymbo einzelne Projekte fördert, diese miteinander in Kontakt bringt und einen Informationsaustausch in Gang setzt.
In einem nächsten Schritt sollen die Möglichkeiten des Austausches von Samen von Nutzpflanzen zwischen den Teilnehmern am Netzwerk praktisch ausprobiert werden und es sollen Anbauversuche mit dem ausgetauschten Saatgut gemacht werden.